Dusch-WC-Aufsatz in der Mietwohnung nachrüsten: Auswahl, Wasser und Strom, Montage und echte Kosten
Warum ein Dusch-WC-Aufsatz sinnvoll ist
Ein Dusch-WC-Aufsatz bringt Hotelkomfort ins deutsche Mietbad: saubere Intimhygiene, weniger Papierverbrauch und mehr Komfort bei begrenztem Platz. Der große Vorteil gegenüber Komplettanlagen: Du nutzt deine vorhandene Keramik weiter und bleibst meist im Budget zwischen 150 und 1000 Euro, je nach Funktionen.
In Mietwohnungen ist die Nachrüstung oft ohne bleibende Eingriffe möglich. Wasser greifst du über das WC-Winkelventil ab, Strom kommt aus einer geschützten Steckdose im Bad. Alles lässt sich rückstandsfrei demontieren, wenn du bei Auszug zurückbauen musst.
Wichtig ist eine saubere Planung: Passt der Aufsatz zur WC-Form, ist der Wasseranschluss zugänglich und gibt es eine sichere Steckdose? Mit den folgenden Schritten vermeidest du Stolperfallen.
- Micro-BOM - Materialien und Werkzeug mit groben Kosten:
- T-Adapter 3/8 Zoll mit Rückflussverhinderer, DVGW-geprüft - 15 bis 35 Euro
- Flexschlauch 3/8 Zoll, 30-60 cm, Trinkwasser geeignet - 8 bis 20 Euro
- PTFE-Dichtband oder Hanf plus Dichtpaste - 5 bis 10 Euro
- Dusch-WC-Aufsatz, elektrisch oder mechanisch - 60 bis 900 Euro
- IP44-Steckdose fürs Bad, falls neu - 10 bis 30 Euro
- Steckdosen-Zuleitung, Kleinmaterial, Kabelkanal - 15 bis 40 Euro
- Werkzeuge: Gabelschlüssel 17 mm, Zange, Schraubendreher, Wasserwaage - vorhanden oder 20 bis 40 Euro

Systeme und Auswahl: mechanisch oder elektrisch
Es gibt drei Haupttypen:
- Mechanische Aufsätze ohne Strom: kaltes Wasser, Drehregler an der Seite, einfache Montage. Geeignet, wenn du nur eine Bidetfunktion willst und keinen Strom im Bad hast. Preis: 50 bis 150 Euro.
- Elektrische Aufsätze mit Speicher: Warmwasser über kleinen Tank, Sitzheizung, oft Föhn, Nachtlicht. Vorteil: stabil warme Temperatur, aber leicht höherer Standby-Verbrauch. Preis: 250 bis 700 Euro.
- Elektrische Aufsätze mit Durchlauferhitzer: Warmwasser ohne Tank, oft kompakter, weniger Standby. Anschaffung meist teurer, aber effizient. Preis: 350 bis 900 Euro.
Achte auf diese Funktionen, die in der Praxis relevant sind:
- Hygiene: selbstreinigende Düsen, entkalkbare Wasserwege, antibakterielle Sitzoberfläche.
- Bedienung: seitliches Bedienfeld, Fernbedienung oder App. Seitliche Bedienfelder brauchen links oder rechts etwas Platz.
- Komfort: oszillierende Dusche, Damenhygiene, einstellbarer Druck und Temperatur, Warmluftföhn.
- Maße: Länge 46 bis 52 cm, Schraubenabstand der Sitzbefestigung 135 bis 180 mm. Prüfe die nutzbare Tiefe bis zur Zisterne.
- Geräusch: Pumpen und Lüfter sollten leise sein, Zielbereich 35 bis 45 dB.
Kompatibilität mit deinem WC prüfen
Bevor du kaufst, miss drei Dinge aus:
- Schraubenabstand der Sitzbefestigung: in Deutschland meist 155 mm. Viele Aufsätze decken 135 bis 180 mm ab.
- Sitzfläche: Abstand von den Befestigungslöchern bis zur Vorderkante der Keramik. 42 bis 48 cm sind üblich. Der Aufsatz sollte bündig sitzen, nicht überstehen.
- WC-Form: rund oder tiefgezogen, mit oder ohne Rand. Viele Aufsätze sind universell, aber bei sehr kompakten WCs oder Sonderformen kann es eng werden.
Prüfe außerdem die Einbausituation:
- Zisterne: Stand-WC mit Aufputz-Spülkasten oder Wand-WC mit Unterputz-Spülkasten. Beides geht, aber beim Unterputz-Spülkasten erfolgt der Wasserabgriff im Servicefach hinter der Betätigungsplatte.
- Seitlicher Freiraum: 5 bis 7 cm neben der Keramik für seitliche Bedienfelder.
- Belastbarkeit: Herstellerangaben zum max. Nutzergewicht, oft 120 bis 150 kg.
Wasseranschluss in deutschen Bädern: so geht es dicht
Standardlösung: Du setzt einen T-Adapter am WC-Winkelventil. Das Winkelventil sitzt unter oder hinter der Keramik bzw. im Unterputz-Spülkasten hinter der Drückerplatte. Wichtig sind geprüfte Bauteile mit DVGW-Kennzeichnung und integrierter Sicherungseinrichtung gegen Rückfließen gemäß EN 1717. Viele Dusch-WC-Aufsätze bringen passende T-Stücke und Rückflussverhinderer mit.
Schrittfolge Wasseranschluss
- Wasser absperren: Hauptabsperrung oder das betroffene Winkelventil schließen.
- WC-Zuleitung lösen: Flexschlauch zum Spülkasten abschrauben, Eimer bereithalten.
- T-Adapter einschrauben: Mit PTFE-Band oder Hanf abdichten, handfest plus eine Vierteldrehung mit Schlüssel. Nicht überdrehen.
- Spülkasten-Schlauch am T-Adapter anschließen.
- Aufsatz-Schlauch auf den freien T-Anschluss setzen und verschrauben.
- Wasser öffnen, Dichtheit prüfen. Bei Tropfen Verbindung nachsetzen.
Unterputz-Spülkasten: Drückerplatte abnehmen, Serviceöffnung nutzen. Meist 3/8 Zoll-Verbindungen. Platz ist knapp, daher kurze Flexschläuche und kompakte T-Adapter wählen. Falls kein Platz bleibt, gibt es Service-T-Adapter, die direkt an den Füllventilanschluss kommen.
Wasserqualität: Bei hartem Wasser verlängert ein kleiner Inline-Filter die Lebensdauer. Einige Aufsätze haben integrierte Filtereinsätze.
Stromanschluss sicher lösen
Elektrische Aufsätze brauchen 230 V, 50 Hz. Im Bad gilt VDE 0100-701: Steckdosen außerhalb der Bereiche um Wanne oder Dusche, mindestens 60 cm Abstand zum Duschbereich, ideal IP44. Die Steckdose muss über einen 30 mA RCD abgesichert sein. In neueren Wohnungen ist das Standard.
Fehlt eine geeignete Steckdose, gibt es zwei Wege:
- Elektriker beauftragen: neue IP44-Steckdose setzen, Leitung in der Wand oder im unauffälligen Kabelkanal führen. Kosten grob 150 bis 400 Euro bei kurzer Strecke, 400 bis 800 Euro bei aufwendiger Nachrüstung.
- Nicht empfehlenswert: Verlängerung quer durchs Bad. Das ist weder schön noch sicher.
In der Mietwohnung ist eine neue Steckdose zustimmungspflichtig. Hol dir die Freigabe des Vermieters schriftlich und beauftrage einen Fachbetrieb.
Montage Schritt für Schritt
Plane 60 bis 120 Minuten ohne Elektrik, mit Elektrik entsprechend mehr.
- 1. Alten WC-Sitz abnehmen: Abdeckkappen lösen, Schrauben herausziehen, Fläche reinigen.
- 2. Grundplatte positionieren: Adapter-Schienen des Aufsatzes auf die Befestigungslöcher setzen, grob ausrichten, Schrauben handfest anziehen.
- 3. Aufsatz aufschieben: Sitz auf die Schienen schieben, Sitzposition prüfen. Vorderkante bündig zur Keramik, Deckel sollte frei auf und zu gehen.
- 4. Wasser anschließen: T-Adapter und Schläuche wie oben beschrieben montieren. Auf korrekten Sitz der Dichtungen achten.
- 5. Dichtheitstest: Wasser aufdrehen, alle Verbindungen mit Küchenpapier abtasten. Kein Tropfen darf sichtbar sein.
- 6. Elektrik verbinden: Stecker einstecken, Kabel sauber im Kabelkanal oder entlang der Wand führen. Keine Stolperfallen, kein Kabel im Spritzbereich.
- 7. Funktionen einstellen: Druck, Düsenausrichtung, Wassertemperatur, Sitzheizung. Erst auf niedriger Stufe testen, dann feinjustieren.
Tipp: Markiere die optimale Sitzposition am Keramikrand mit einem diskreten Bleistiftstrich, bevor du die Grundplatte endgültig festziehst.

Feinabstimmung, Reinigung und Alltag
Für den Alltag bewähren sich diese Einstellungen und Routinen:
- Druck moderat starten, dann steigern. Zu hoher Druck kann spritzen.
- Temperaturen zwischen 34 und 38 Grad sind angenehm. Viele Geräte besitzen Eco-Modi, die den Tank nur bei Nutzung erwärmen.
- Düsenreinigung: Automatische Spülung nutzen, zusätzlich 1 Mal pro Monat mit mildem Reiniger entkalken. Keine scheuernden oder chlorhaltigen Mittel verwenden.
- Filterwechsel je nach Wasserhärte alle 6 bis 12 Monate.
- Deckel und Sitz mit weichem Tuch und pH-neutralem Reiniger wischen. Scharniere gelegentlich nachziehen.
Kosten in Deutschland: realistische Spanne
So setzt sich das Budget typischer Projekte zusammen:
- Mechanischer Aufsatz: 50 bis 150 Euro
- Elektrischer Aufsatz, Speicher: 250 bis 700 Euro
- Elektrischer Aufsatz, Durchlauferhitzer: 350 bis 900 Euro
- Montagematerial Wasser T-Adapter, Schläuche, Dichtung: 25 bis 60 Euro
- Elektriker Steckdose nachrüsten: 150 bis 800 Euro je nach Aufwand
- Sanitär-Profi Montage: 80 bis 200 Euro
- Betriebskosten Strom: 5 bis 15 Euro pro Jahr bei Eco-Betrieb
- Wartung Filter und Entkalker: 10 bis 30 Euro pro Jahr
Für viele Mietbäder landet man gesamt zwischen 250 und 1100 Euro, je nach Funktionsumfang und ob eine Steckdose vorhanden ist.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
- Falscher Schraubenabstand: Vor dem Kauf messen. Adapter-Sets helfen nur begrenzt.
- Keine Rückfluss-Sicherung: Verwende DVGW-geprüfte T-Adapter mit Rückflussverhinderer. Das schützt das Trinkwassernetz.
- Undichte Verbindungen: Nicht trocken montieren. Gewinde sauber, Dichtung korrekt, moderates Drehmoment.
- Unsichere Stromversorgung: Keine Verlängerungen über den Boden. IP44-Steckdose und RCD sind Pflicht.
- Zu enger Einbauraum: Seitlichen Platz für Bedienfeld und Service beachten.
- Unnötig hoher Standby: Eco-Modus aktivieren, Warmwassertank nur bei Bedarf heizen.
Rechtliches in der Mietwohnung
Reine Aufsatzmontage mit T-Adapter ist meist rückbaubar und gilt als zulässig. Trotzdem: Für das Setzen einer neuen Steckdose oder Eingriffe in fest installierte Wasserleitungen brauchst du die Zustimmung des Vermieters. Bewahre Originalteile auf, um beim Auszug den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen.
Alternative, wenn der Wasserabgriff schwierig ist
Wenn der Unterputz-Spülkasten kaum Platz bietet, gibt es zwei Optionen:
- Aufsatz mit eigenem Tank für Kaltwasser aus externem Behälter - selten, eher Notlösung.
- Abzweig vom Waschtisch-Winkelventil mit langem, unauffälligem Schlauch im Sockelbereich. Technisch machbar, optisch Geschmackssache. Unbedingt knicksicheren Schlauch und Schutz durch Kabelkanal verwenden.
Wann lohnt ein Komplett-Dusch-WC?
Wenn ohnehin eine Badsanierung ansteht, die Keramik gewechselt wird und Strom plus Wasser sauber vorbereitet werden können, sind Komplett-Dusch-WCs ab 1500 Euro aufwärts eine Option. Sie sind optisch integrierter, aber in der Mietwohnung wegen Fixkosten und Rückbaupflicht oft unpraktisch. Für eine Nachrüstung im Bestand ist der Aufsatz die beste Kosten-Nutzen-Lösung.
Podsumowanie
- Kompatibilität prüfen: Schraubenabstand, Tiefe, seitlicher Platz.
- Wasser sicher abgreifen: T-Adapter mit Rückfluss-Sicherung, DVGW-geprüft.
- Strom normgerecht: IP44-Steckdose außerhalb Spritzbereich, 30 mA RCD.
- Montage sauber: Dicht prüfen, Kabel ordentlich führen, Funktionen testen.
- Budget realistisch: 250 bis 1100 Euro inklusive Material, je nach Ausstattung.
- Mietrecht beachten: Zustimmung für Steckdose und feste Eingriffe einholen.
FAQ
Brauche ich die Zustimmung des Vermieters?
Für die reine, rückbaubare Montage des Aufsatzes meist nicht. Für das Nachrüsten einer Steckdose oder feste Änderungen an der Wasserinstallation ja. Zustimmung schriftlich einholen.
Funktioniert ein Dusch-WC-Aufsatz mit Unterputz-Spülkasten?
Ja. Der Wasserabgriff erfolgt im Servicefach hinter der Betätigungsplatte über einen kompakten 3/8 Zoll T-Adapter. Platz ist knapp, daher kurze Schläuche und geprüfte Bauteile nutzen.
Welche Steckdose ist erforderlich?
230 V Schuko, ideal IP44, außerhalb der Spritzbereiche. Der Stromkreis muss über einen 30 mA RCD abgesichert sein. Installation durch Elektriker empfohlen.
Was kostet die Nachrüstung insgesamt?
Ab etwa 250 Euro mit mechanischem Aufsatz und vorhandenem Strom bis 1100 Euro mit komfortablem Elektroaufsatz und neuem Steckdosenanschluss. Laufende Kosten sind gering.
