Regendusche und Thermostatarmatur nachrüsten: Systeme, Aufmaß, Montage, Warmwasser und echte Kosten

Regendusche und Thermostatarmatur nachrüsten: Systeme, Aufmaß, Montage, Warmwasser und echte Kosten

Regendusche und Thermostat nachrüsten - realistisch im Bestandsbad

Eine Regendusche mit Thermostatarmatur lässt sich in vielen deutschen Bädern ohne Komplettumbau realisieren. Der schnellste Weg ist ein Aufputz-Duschsystem: Es wird an die vorhandenen 150-mm-Wandanschlüsse geschraubt und benötigt nur 2 bis 4 zusätzliche Bohrungen für die Duschstange. Unterputzlösungen sind schick, bedeuten aber Stemmarbeiten, Abdichtung und neue Fliesen - im Mietobjekt praktisch nie eine Option.

Wichtig ist ein sauberer Vorab-Check: Reicht der Wasserdruck, passt die Warmwasserbereitung zur gewünschten Kopfbrause, stimmen die Anschlussmaße, und sind die Fliesen bohrbar oder soll klebend montiert werden? Mit guter Planung ist der Einbau in 2 bis 4 Stunden erledigt.

Dieser Leitfaden führt praxisnah durch Systeme, Aufmaß, Montage, Abdichtung und echte Kosten in Deutschland. Beispiele beziehen sich auf typische Duschwannen 80 x 80 bis 90 x 100 cm bzw. Badewannen mit Duschfunktion.

  • Micro-BOM - Material und Werkzeug mit Richtpreisen
    • Aufputz-Duschsystem mit Thermostat, Kopf- und Handbrause: 200 - 600 Euro
    • PTFE-Band oder Hanf plus Dichtungspaste: 2 - 10 Euro
    • Wasserpumpenzange oder Gabelschlüssel-Set: vorhanden oder 20 - 40 Euro
    • Wasserwaage und Zollstock: vorhanden
    • Fliesenbohrer 6 mm Diamant und Dübel/Schrauben: 10 - 25 Euro
    • Multidetektor für Leitungen: 30 - 70 Euro (kaufen oder leihen)
    • Neutralvernetzendes Sanitärsilikon plus Glättmittel: 8 - 15 Euro
    • Manometer für Drucktest am Eckventil: 15 - 30 Euro
Modernes Bad mit Aufputz-Duschsystem, runder Kopfbrause und Thermostat in Chrom vor weißen Fliesen
Aufputz-Regendusche mit Thermostat: schnell nachrüstbar und alltagstauglich.

Voraussetzungen prüfen: Druck, Warmwasser, Anschluss

Wasserdruck und Durchfluss

Für eine Regendusche braucht es ausreichend Druck und Durchfluss. Messen Sie am besten mit einem Manometer am DN15-Eckventil oder an der Waschmaschinenarmatur. In Mehrfamilienhäusern liegen 2 bis 5 bar an. Für große Kopfbrausen sind 2 bar aufwärts sinnvoll. Ein typischer Regenduschkopf benötigt 12 bis 18 l/min. Mit sparsamen Luftmischern sind 6 bis 10 l/min möglich, dann ist der Strahl jedoch weicher.

  • Daumenregel: 1 bar liefert grob 6 bis 8 l/min, 2 bar 10 bis 14 l/min, abhängig von Leitungsquerschnitt und Armatur.
  • Wenn der Druck gering ist, wählen Sie Kopfbrausen mit 200 bis 240 mm Durchmesser und Luftmischung statt 300 mm XXL-Scheiben.

Warmwasserbereitung richtig einschätzen

Die Warmwasserquelle ist der entscheidende Faktor für Komfort und Thermostatstabilität:

  • Elektronischer Durchlauferhitzer 21 - 24 kW: 8 - 10 l/min bei 40 Grad realistisch. Mittelgroße Kopfbrause plus Handbrause funktioniert, große Regenplatte nur mit Durchflussbegrenzer.
  • Hydraulischer Altgerät-Durchlauferhitzer 18 kW: neigt zu Temperaturschwankungen. Thermostat funktioniert, aber Kopfbrause eher kleiner wählen oder auf Handbrause fokusieren.
  • Gastherme/Kombitherme: meist unkritisch. Wichtig ist ein Mindestdurchfluss von ca. 2 l/min für Brennerstart. Thermostatarmaturen arbeiten stabil.
  • Zentralwarmwasser/Speicher: komfortabel, meist ausreichend Durchfluss.

Achtung Verwechslung: Niederdruckarmaturen gehören zu offenen Kleinspeichern am Waschbecken, nicht an die Dusche. Duscharmaturen sind in deutschen Bädern praktisch immer Hochdruckarmaturen.

Wandanschlüsse und Maße

  • Standard-Mittenabstand der Anschlüsse: 150 mm. Mithilfe von S-Anschlüssen lassen sich Abweichungen von etwa ±20 mm ausgleichen.
  • Wandanschlüsse bevorzugt auf 100 - 110 cm Achshöhe bei Duschwannen. Bei Badewanne mit Duschfunktion eher 75 - 100 cm, abhängig von Auslauf und Umsteller.
  • Prüfen Sie die Auskragung: Zwischen Thermostat und Glasabtrennung sollte 5 - 8 cm Platz bleiben, damit Bedienelemente erreichbar sind.

Systeme im Überblick: sinnvoll wählen

Aufputz-Duschsystem mit Thermostat

Komplettset mit Thermostatbatterie, senkrechter Stange, Umsteller, Kopf- und Handbrause. Ideal zum Nachrüsten. Thermostat gibt konstante Temperatur und Verbrühschutz, oft mit 38-Grad-Sperre.

  • Vorteile: schnelle Montage, wenig bauliche Eingriffe, gute Ersatzteillage.
  • Nachteile: auftragend, sichtbare Leitungen, Deckenmontage der Kopfbrause nur mit Zusatzarbeiten.

Thermostatbatterie plus Brausestange

Für niedrige Decken oder wenig Druck: Nur Handbrause an verstellbarer Stange, dazu ein Thermostat. Durchflussbedarf 6 - 9 l/min. Guter Kompromiss bei schwachem Durchlauferhitzer.

Unterputzsysteme

Nur bei Sanierung sinnvoll. Erfordern Schlitzen, Abdichtung nach DIN 18534, neue Fliesen. Für Mietwohnungen nicht zu empfehlen.

Kopf- und Handbrausen wählen

  • Kopfbrause 200 - 240 mm für Durchschnittshaushalte, 250 - 300 mm nur bei genügend Druck.
  • Antikalk-Düsen erleichtern Pflege. Achten Sie auf Durchflussregler 8 - 12 l/min für Durchlauferhitzer.
  • Schwenkarm oder feste Stange? Schwenkarm verbessert Ausrichtung bei enger Dusche.

Aufmaß: Höhen und Abstände, die im Alltag funktionieren

  • Thermostatachse: 100 - 110 cm über Fertigfußboden bei Duschwanne, 80 - 100 cm bei Wannen-Dusche.
  • Kopfbrausen-Unterkante: 200 - 210 cm für Personen bis 185 cm, 210 - 220 cm bei größeren Personen. Bei niedrigen Decken kleinere Brause und Schwenkarm wählen.
  • Halter Handbrause: mittig bei 110 - 120 cm, zweiter Halter auf 150 cm, wenn Kinder im Haushalt sind sind zwei Positionen praktisch.
  • Abstand zur Wand: Mitte Kopfbrause 30 - 45 cm von der Wand weg, je nach Systemgeometrie. Herstellermaße beachten.

Montage Schritt für Schritt: Aufputz-Duschsystem

1. Demontage und Vorbereitung

  • Hauptwasser absperren. Armatur öffnen, Druck ablassen.
  • Alte Armatur abschrauben. Dichtungen und Rosetten abnehmen.
  • Wandgewinde prüfen, säubern. Bei Bedarf S-Anschlüsse mit PTFE oder Hanf plus Paste einschrauben, Mittenmaß auf 150 mm ausrichten. Mit Wasserwaage exakt waagerecht stellen. Nicht überdrehen.
  • Rosetten dicht an die Fliese anlegen. Kleine Spalte mit einem dünnen, oben umlaufenden Silikonkragen schließen, unten offen lassen, damit Kondensat ablaufen kann.

2. Thermostat montieren und dichten

  • Flachdichtungen in den Konusstecknüssen einsetzen.
  • Thermostat handfest ansetzen, mit Gabelschlüssel anziehen. Keine Rohrzange direkt am Chrom verwenden - Kratzgefahr.
  • Wasser öffnen, kurzen Dichtheitstest. Noch ohne Duschstange prüfen, ob Warm links, Kalt rechts korrekt anliegt.

3. Duschstange ausrichten und befestigen

  • Stange locker aufstecken, Position für obere und ggf. untere Halter markieren. Auf senkrechten Verlauf achten.
  • Leitungsortungsgerät ansetzen, um verdeckte Strom- oder Wasserleitungen zu vermeiden.
  • In die Fuge bohren, wenn möglich. Sonst Fliese mit 6 mm Diamantbohrer bei niedriger Drehzahl, wenig Druck, ggf. Wasser kühlen. Erst Fliese, dann mit Steinbohrer in den Untergrund.
  • Dübel setzen, Halter mit beigefügten Schrauben befestigen. Kunststoffscheiben gegen Fliesenschäden unterlegen.

4. Kopf- und Handbrause anschließen

  • Oberteil verschrauben, Dichtungen nicht vergessen. Handbrauseschlauch mit Flachdichtungen montieren.
  • Kartusche auf 38-Grad-Sperre kalibrieren, Herstelleranleitung folgen. Flussbegrenzer in Kopfbrause prüfen und an Warmwasserleistung anpassen.
  • Endprüfung: Dichtheit, Umsteller Kopf-Hand, Temperaturstabilität, Geräuschentwicklung.

Abdichtung, Bohrlöcher und Lärmschutz

  • Bohrlöcher: Nach dem Setzen der Halter die Schraubenköpfe leicht überdecken. Kein flächiger Silikonauftrag unter den Haltern - punktuell abdichten, damit hinterwanderte Feuchte abtrocknen kann.
  • Rosetten: Nur oben umlaufend silikonieren. Unten kapillar offen lassen.
  • Geräusch: Strömungsgeräusch entsteht bei zu engen Eckventilen oder knickigen Schläuchen. Eckventile ganz öffnen, Schlauch knickfrei verlegen.

Alternativen ohne Bohren in der Mietwohnung

  • Klebemontage: Halter mit geprüften Montageklebern für Bad, Tragfähigkeit beachten. Fliesen vorher mit Isopropanol entfetten. Aushärtezeit 24 - 48 h einplanen.
  • Stangenersatz: Teleskopklemmsysteme zwischen Wanne und Decke funktionieren für Handbrausenhaltern, nicht für Kopfbrausen.
  • Bestehende Löcher nutzen: Verstellbare Halter sparen neue Bohrungen.

Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden

  • Falsches System für Durchlauferhitzer gewählt - Durchfluss zu hoch. Lösung: Kopfbrause mit 8 - 10 l/min, Luftmischer.
  • S-Anschlüsse nicht fluchtend - Armatur tropft oder schief. Mit Wasserwaage ausrichten, Dichtflächen sauber halten.
  • In Fliese ohne Leitungssuche gebohrt - Treffer. Immer Detektor nutzen und bevorzugt in Fugen bohren.
  • PTFE zu wenig oder zu viel - Undichtigkeit. 6 - 10 Lagen sauber wickeln, in Fließrichtung, Übergänge glätten.
  • Thermostat nicht kalibriert - 38 Grad passt nicht. Heißwasserseite voll aufdrehen, Kalibrierschritt laut Anleitung durchführen.
  • Rosetten rundum versiegelt - Feuchtestau. Unten offen lassen.
  • Armatur mit Rohrzange verkratzt. Immer Maulschlüssel mit Schutzbacken oder Tuch verwenden.
  • Kein Spülvorgang vor Montage - Partikel verstopfen Kartusche. Leitungen kurz spülen, dann Armatur montieren.
  • Zu niedrige Kopfbrause - stößt an. Vorher mit Meterstab in der Dusche probieren, Schwenkarm berücksichtigen.
  • Glasabtrennung zu nah an Bedienelementen. Mindestens 5 cm Abstand planen.

Pflege, Entkalkung und Ersatzteile

  • Entkalken: Silikondüsen regelmäßig abstreifen. Kopfbrause 20 - 30 Minuten in lauwarme 5-prozentige Zitronensäure legen, danach klar spülen. Keine aggressiven Reiniger.
  • Thermostatkartusche: Alle 5 - 10 Jahre Verschleiß möglich. Kartusche nachkaufbar, Tausch meist in 15 Minuten erledigt.
  • Filter: Einige Thermostate haben Schmutzfänger. Halbjährlich prüfen und spülen.

Kosten und Zeitbedarf in Deutschland

  • Hardware: Aufputz-Duschsysteme mit Thermostat ab 180 Euro solide, gute Mittelklasse 250 - 600 Euro, Premium 700 - 1.200 Euro. Reine Thermostatbatterien 80 - 250 Euro.
  • Montage durch Fachbetrieb: 1,5 - 3 h, 120 - 250 Euro Lohnkosten je nach Region. Anfahrt 20 - 50 Euro. Kleinmaterial 5 - 15 Euro.
  • DIY-Nebenkosten: Bohrer, Dübel, Silikon, PTFE zusammen 20 - 40 Euro, wenn nicht vorhanden.
  • Gesamt: DIY 250 - 700 Euro realistisch. Mit Installateur 400 - 1.100 Euro.

Zeitplan: Geübte Heimwerker schaffen die Montage in 2 - 4 h inkl. Bohren und Kalibrierung. Klebemontage benötigt zusätzliche 24 - 48 h Aushärtung.

Praxisbeispiele und Tipps für verschiedene Bäder

Kleines Duschbad 80 x 80 cm

  • Kopfbrause 200 mm, Luftmischer 8 - 10 l/min.
  • Schwenkarm bevorzugen, um Glas nicht zu berühren.
  • Thermostat kompakt, schmale Bauform.

Wannen-Dusche

  • Thermostat mit Umsteller und optionalem Wannenfüllauslauf wählen.
  • Halterung so setzen, dass Handbrause auch im Sitzen erreichbar ist.

Durchlauferhitzer-Haushalt

  • Elektronischen DLE prüfen, Temperatur am Gerät auf 50 - 55 Grad einstellen, dann Thermostat kalibrieren.
  • Große Kopfbrausen meiden, Durchflussbegrenzer aktivieren.
Montage einer Duschstange an gefliester Wand mit Wasserwaage und Bohrmaschine
Bohrpunkte sauber anzeichnen, in Fugen bohren und sicher verdübeln.

Podsumowanie

  • Wasserdruck und Warmwasser zuerst prüfen. Ohne 2 bar und ausreichenden Durchfluss keine XXL-Regendusche.
  • Aufputz-Duschsystem mit Thermostat ist die pragmatische Nachrüstlösung im Bestand.
  • Maße sauber aufnehmen: 150 mm Mittenabstand, 100 - 110 cm Thermostat, 200 - 210 cm Kopfbrause.
  • Fliesen mit Diamantbohrer und Leitungssuche bearbeiten oder klebend montieren.
  • Thermostat kalibrieren, Flussbegrenzer passend einstellen, Rosetten oben silikonieren, unten offen lassen.
  • Echte Kosten: DIY 250 - 700 Euro, mit Installateur 400 - 1.100 Euro.

FAQ

Funktioniert eine Regendusche mit meinem 21-kW-Durchlauferhitzer?

Ja, wenn Sie eine mittelgroße Kopfbrause mit 8 - 10 l/min wählen und den Thermostat korrekt kalibrieren. XXL-Kopfbrausen mit 12 - 18 l/min sind meist grenzwertig.

Muss ich bei der Montage in Fliesen unbedingt bohren?

Für die Stange oft ja, aber Klebesysteme sind eine Alternative. Achten Sie auf geprüfte Badkleber, entfetten Sie die Fliese gründlich und geben Sie 24 - 48 h Aushärtung.

Was tun, wenn die Wandanschlüsse nicht exakt 150 mm haben?

Mit S-Anschlüssen lassen sich Abweichungen von etwa ±20 mm ausgleichen. Größere Abweichungen erfordern einen Fachbetrieb oder spezielle Adapter.

Wie stelle ich die 38-Grad-Sperre richtig ein?

Warmwasserquelle auf Betriebstemperatur bringen, Thermostat auf 38 Grad stellen und die Kappe gemäß Herstelleranleitung so positionieren, dass der Anschlag bei realen 38 Grad sitzt.