Schallschutz-Vorsatzschale in der Mietwohnung: entkoppelt bauen, sauber spachteln und echte Kosten
Warum eine Schallschutz-Vorsatzschale in der Mietwohnung?
Hellhörige Wände zu Nachbarn sind in vielen deutschen Bestandswohnungen normal. Teppiche, Vorhänge und Möbel helfen gegen Raumhall, aber kaum gegen Nachbarstimmen. Eine entkoppelte Trockenbau-Vorsatzschale mit Mineralwolle und doppelter Beplankung senkt Luftschall deutlich, ohne die Bestandswand zu beschädigen.
Wichtig in der Miete: Vermieterzustimmung schriftlich einholen, Aufbau dokumentieren und Rückbaufähigkeit sicherstellen. Wer sauber entkoppelt und nur wenige Befestigungen setzt, kann die Wand später spurlos entfernen.
Realistische Schallschutzgewinne: 6 bis 12 dB bei korrekt entkoppeltem Aufbau. Das wirkt wie eine Halbierung bis deutliche Reduktion der wahrgenommenen Lautstärke. Gegen Trittschall von oben hilft diese Maßnahme nicht.
- Micro-BOM für 10 m2 Vorsatzschale, entkoppelt, 50 mm Mineralwolle, 2x 12,5 mm Gipskarton
- UW und CW Profile 50 mm, ca. 30 m laufend - 60 bis 80 Euro
- Dichtungsband 30 m - 12 bis 20 Euro
- Mineralwolle 50 mm, 10 m2, Rohdichte 40 bis 60 kg - 60 bis 100 Euro
- Gipskarton Schallschutzplatten 12,5 mm, 20 m2 - 160 bis 240 Euro
- Trockenbauschrauben, Schnellbauschrauberbits - 10 bis 20 Euro
- Fugendeckstreifen, Spachtelmasse Q2 bis Q3 - 25 bis 45 Euro
- Randdämmstreifen und Acryl - 15 bis 25 Euro
- Optional OSB 12 mm, 10 m2 für Lasten - 70 bis 100 Euro

Planung und Aufbauprinzip
Masse-Feder-Masse einfach erklärt
Der Schallschutz lebt von Masse und Entkopplung. Die Bestandswand ist Masse 1. Die elastisch gelagerte Unterkonstruktion mit Mineralwolle bildet die Feder. Die doppelte Beplankung ist Masse 2. Je schwerer die Außenschale und je weicher die Lagerung, desto besser der Luftschallschutz.
Wandaufbau im Überblick
- Boden und Decke: UW Profile mit Dichtungsband auflegen, in Fugenbereich nicht kraftschlüssig zur Bestandswand andrücken.
- Ständer: CW Profile im Abstand 62,5 cm stellen. Keinen direkten Kontakt zur Bestandswand.
- Dämmung: Mineralwolle 50 mm, Rohdichte 40 bis 60 kg, nicht stopfen, nur leicht klemmend.
- Beplankung: 2 Lagen 12,5 mm Platten, Fugen versetzt, Schraubenabstände 25 cm außen, 17 cm innen. Schallschutzplatten bringen 1 bis 2 dB mehr als Standard-GK.
- Randentkopplung: Trennfix oder Randdämmstreifen an allen Anschlüssen, anschließend mit Acryl dauerelastisch schließen.
Mietrecht und Rückbau
- Zustimmung Vermieter einholen, Aufbau beschreiben, Fotos machen.
- Befestigungen nur in Boden und Decke setzen, Wandanschluss über Dichtungsband, keine starre Verschraubung in der Bestandswand.
- Oberflächen so ausf ühren, dass man später ohne Sichtspuren rückbauen kann.
Materialwahl im Detail
Profile, Lagerung, Entkopplung
- Metallprofile CW und UW 50 mm sind formstabil und schnell. Holz geht auch, braucht aber elastische Lager und ist in Mietwohnungen riskanter wegen Quellen und Verdrehen.
- Dichtungsband 3 bis 6 mm unter UW Profilen zwingend. Es entkoppelt und dichtet luftdicht.
- Schwingbügel oder Direktabhänger mit Gummieinlage nur, wenn die Konstruktion an Wand oder Decke fixiert werden muss. In Mietwohnungen häufig freistehend zwischen Boden und Decke klemmend, mit wenigen Dübeln gesichert.
Dämmstoffe
- Mineralwolle 40 bis 60 kg Rohdichte pro m3 bei 50 mm Dicke ist Standard. Leichte Dämmwolle für Wärmedämmung ist weniger effektiv.
- Alternativen: Holzfaserplatten oder Stopfhanf funktionieren, bringen aber meist etwas weniger dB pro Zentimeter und sind teurer.
Plattenauswahl
- Standard GK 12,5 mm ist günstig. Noch besser: Schallschutzplatten oder zementgebundene Faserplatten für mehr Masse.
- Doppelte Beplankung ist Pflicht für sp ürbaren Effekt. Fugenversatz 400 mm, zweite Lage nicht auf die gleiche Ständerachse schrauben.
- Optional: OSB Lage unter GK, wenn schwere Wandhalterungen geplant sind. OSB bringt auch Masse, aber Schraubenlängen anpassen.
Elastische Anschlüsse
- Randdämmstreifen an Boden, Decke und Seitenwänden. Platten nicht an angrenzende Bauteile pressen, 5 mm Dehnfuge lassen.
- Fugen mit Acryl elastisch schließen. Kein Silikon, wenn überstreichbar gefordert ist.
Schritt-für-Schritt Montage
1. Untergrund vorbereiten
- Fläche messen, Material über 10 Prozent Reserve kalkulieren.
- Boden und Decke auf Tragfähigkeiten prüfen. Heizungsrohre und Leitungen orten.
- Sauber abkleben, Boden mit Abdeckvlies schützen, Staubabsaugung bereitstellen.
2. Unterkonstruktion stellen
- UW Profile zuschneiden, Dichtungsband aufkleben, Boden und Decke anzeichnen.
- Mit geeigneten Dübeln schrauben. In Altbaudecken mit Hohlraum Dübelwahl testen. Abstand 80 cm.
- CW Profile auf Achse 62,5 cm einstellen. Erste und letzte Ständer 5 cm von der Kante.
- Konstruktion darf die Bestandswand nicht berühren. Überlängen oben 10 mm, erst nach dem Ausrichten verklemmen.
3. Installationen und Dosen
- Hohlwanddosen für Schallschutz verwenden, luftdicht. Gegenüberliegende Dosen zur Bestandswand vermeiden.
- Kabel durch Manschetten luftdicht führen. Jede Durchdringung reduziert den Effekt.
- TV, Wandhalter, Regale: In OSB Lage planen oder später mit Hohlraum-Metallankern befestigen. Keine großen Durchbrüche.
4. Beplankung
- Erste Lage Platten horizontal oder vertikal. Schraubenabstand 25 cm, Rand 10 bis 15 mm, Fugen 5 mm.
- Dämmung leicht klemmend einlegen, keine Hohlräume.
- Zweite Lage mit Fugenversatz, Längs- und Querfugen versetzen. Schraubenabstand 25 cm.
- Randfugen offen lassen und mit Acryl elastisch schließen.
5. Spachteln und Finish
- Fugen der ersten Lage nicht spachteln. Nur zweite Lage spachteln, Q2 für Tapete, Q3 für glatte Farbe.
- Fugendeckstreifen in Längsfugen einbetten.
- Nach Trocknung schleifen, Tiefgrund, dann Malervlies oder Anstrich.
Steckdosen, TV und Wandhalter sicher integrieren
- Steckdosenanzahl im Vorfeld festlegen. Hohlwanddosen mit Schalldämmwert nutzen, Dichtkragen verwenden.
- Wandhalter für TV: OSB unter GK oder schwere Hohlraumanker. Schraubenlänge so wählen, dass sie nicht die Entkopplung durchstoßen.
- Kabeldurchführungen minimal halten, Gummimanschetten nutzen.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
- Starre Verbindung zur Bestandswand. Folge: Schallbrücken. Lösung: Entkopplung konsequent, Randdämmstreifen.
- Nur eine Lage GK. Folge: kaum Effekt. Lösung: Zwei Lagen, ggf. schwere Platten.
- Hohlräume in der Dämmung. Folge: Dröhnende Flächen. Lösung: sauber, hohlraumfrei füllen.
- Zu viele undichte Durchdringungen. Lösung: luftdichte Dosen, Manschetten, Acrylfugen.
- Fugen nicht versetzt. Lösung: zweite Lage mit versetzten Fugen, Schraubenraster einhalten.
Zeit, Staub und Lärm im Griff
- 1 Tag für Unterkonstruktion und Dämmung, 1 Tag für Beplankung und Spachteln, 1 Tag fürs Finish.
- Staub: Platten außen schneiden oder mit Staubabsaugung, Räume abdichten, Luftreiniger nutzen.
- Lärm: Arbeitszeiten mit Nachbarn abstimmen, keine Bohrarbeiten früh morgens oder spät abends.
Kosten und Budget in Deutschland
Materialkosten DIY pro m2 bei 50 mm Mineralwolle, 2x GK 12,5 mm:
- Profile und Dichtungsband: 10 bis 14 Euro
- Mineralwolle 50 mm, 40 bis 60 kg: 6 bis 10 Euro
- Gipsplatten Standard: 7 bis 10 Euro, Schallschutz: 12 bis 18 Euro
- Schrauben, Spachtel, Randstreifen, Acryl: 5 bis 8 Euro
Summe DIY: 28 bis 50 Euro pro m2 mit Standard-GK, 40 bis 70 Euro pro m2 mit Schallschutzplatten. Mit OSB Zusatz 8 bis 12 Euro pro m2.
Beispielwand 3,2 m Breite, 2,6 m Höhe, ca. 8,3 m2 Fläche:
- DIY Material Standard-GK: 250 bis 420 Euro
- DIY Material mit Schallschutz-GK oder OSB: 380 bis 620 Euro
- Werkzeugverschleiß, Verbrauchsmaterial: 30 bis 60 Euro
- Fachbetrieb inkl. Montage, Spachteln Q2 bis Q3: 120 bis 220 Euro pro m2, gesamt 1.000 bis 1.800 Euro
- Malerarbeiten: 10 bis 20 Euro pro m2
Hinweis: Preisstandtypisch für Deutschland, Schwankungen je nach Region, Lieferkette und Plattenwahl.

Alternativen ohne Trockenbau
- Schwere Akustikvorhänge oder Akustikbilder: gut gegen Raumhall, geringer Effekt gegen Nachbarlaute.
- Freistehendes Regal mit Rückwand und Dämmung: etwas Schallschutz, aber nicht mit entkoppelter Vorsatzschale vergleichbar.
- Abdichtung von Steckdosen und Rissen: kleiner Zugewinn, sinnvoll als Ergänzung.
Podsumowanie
- Entkoppeln ist Pflicht. Keine starre Verbindung zur Bestandswand.
- Doppelte Beplankung mit Fugenversatz bringt den Effekt.
- Mineralwolle 50 mm mit höherer Rohdichte wählen.
- Alle Randfugen elastisch und luftdicht ausführen.
- Steckdosen luftdicht, Durchdringungen minimieren.
- Vermieterzustimmung und Rückbaufähigkeit sicherstellen.
- Budget realistisch: 40 bis 70 Euro pro m2 DIY, Fachbetrieb ab 120 Euro pro m2.
FAQ
Wie viel Platz verliere ich mit einer Vorsatzschale?
Mit 50 mm Ständerwerk, 2x 12,5 mm Platten und Randfugen kommst du auf 8 bis 9 cm. Mit OSB unter GK eher 9 bis 10 cm.
Bringt eine einzelne Lage Gipskarton etwas?
Minimal. Für spürbaren Schallschutz brauchst du die Masse-Feder-Masse-Wirkung: entkoppelte Unterkonstruktion, Mineralwolle und mindestens doppelte Beplankung.
Darf ich das in der Mietwohnung?
Nur mit Zustimmung des Vermieters. Dokumentiere Aufbau und sichere den Rückbau zu. Befestigungen auf ein Minimum reduzieren und keine starre Verbindung zur Bestandswand.
Hilft die Vorsatzschale gegen Trittschall von oben?
Nein. Dafür sind Deckenmaßnahmen nötig. Die Vorsatzschale senkt primär Luftschall durch die Wand.
