Steckdosen und Schalter planen in Wohnzimmer und Home Office: Positionen, Höhen, Anzahl, Stromkreise, Smart-Optionen und echte Kosten
Warum eine saubere Elektroplanung lohnt
Zu wenige Steckdosen, schlecht platzierte Schalter, Kabelsalat hinter dem Lowboard: Das sind typische Alltagsärgernisse, die sich mit guter Planung vermeiden lassen. Gerade im Wohnzimmer und Home Office ändern sich Geräte und Nutzungen häufiger. Eine durchdachte Infrastruktur macht den Alltag einfacher, sicherer und optisch ruhiger.
Dieser Leitfaden zeigt konkrete Positionen, Höhen, sinnvolle Stückzahlen und Stromkreis-Aufteilung. Dazu Smart-Optionen, Kosten und typische Fehler. Alles bezogen auf deutsche Gegebenheiten, Normenpraxis und gängige Materialien.
Wichtig: Arbeiten an 230 V sind Elektrofachkräften vorbehalten. Planung können Sie selbst machen, Ausführung und Messung sollte ein Elektriker übernehmen.
- NYM-J 3×1,5 mm², 40 m: 40 - 60 €
- Unterputzdosen tief, 12 St.: 12 - 24 €
- Hohlwanddosen tief, 4 St.: 8 - 16 €
- Schalterprogramm Rahmen + Einsätze, 6 Steckdosen-Doppeleinsätze + 3 Schalter: 180 - 320 €
- Bodensteckdose 2-fach IP44: 120 - 220 €
- Kabelkanal 60×40 mm, 4 m: 20 - 40 €
- TV- und Daten-Doppelsteckdosen: 60 - 120 €
- Arbeitszeit Elektriker 6 - 10 Std.: 420 - 900 €

Standards und Höhen: schnell erklärt
Orientieren Sie sich an DIN 18015 Empfehlungen und gängiger Praxis. Das sind bewährte Richtwerte, die in der Mehrheit der Projekte gut funktionieren.
- Schalterhöhe: Mitte Bedienelement bei ca. 105 cm über Fertigfußboden. So erreichbar für Kinder und im Sitzen gut erkennbar.
- Steckdosen Standard: Mitte bei ca. 30 cm über Fertigfußboden. Bei Sockelleistenmontage ggf. 10 - 15 cm, aber auf Möbelkollision achten.
- Über Arbeitsflächen: In Küchen üblich 110 - 115 cm. Am Schreibtisch besser in oder auf der Platte, alternativ 20 - 30 cm darüber an der Wand.
- Neben Türen: Schalter immer auf der Klinkenseite, 5 - 15 cm Abstand zur Leibung, im gleichen Schalterprogramm.
- Abstände zu Wasser: In Bädern Schutzbereiche beachten. Für Wohn- und Arbeitsräume hier nur relevant, wenn eine Nasszone angrenzend ist.
Stückzahlen je Raumgröße
Für ein 20 - 25 m2 Wohnzimmer mit TV-Bereich, Sofa, ggf. Esstisch sind 14 - 18 Steckdosen realistisch. Für ein 10 - 12 m2 Home Office sind 10 - 14 Steckdosen sinnvoll, plus 2 Datenanschlüsse oder mindestens eine gute LAN-Option.
- Wohnzimmer Basis: 12 Steckdosen + 2 Daten + 1 Antenne
- Wohnzimmer Komfort: 16 - 20 Steckdosen + 2 - 4 Daten + 1 Antenne + 1 Bodensteckdose
- Home Office Basis: 8 Steckdosen + 1 - 2 Daten + 1 USB-C 60 W
- Home Office Komfort: 12 - 16 Steckdosen + 2 - 4 Daten + 1 Bodensteckdose + 1 - 2 USB-C 100 W
Wohnzimmer: Positionen, die im Alltag funktionieren
TV- und Medienwand
Hier entsteht der meiste Bedarf. Planen Sie auf einer Breite von 120 - 180 cm eine Technikzone auf 30 cm Höhe plus eine zweite Reihe auf ca. 100 - 120 cm, wenn Geräte an der Wand hängen.
- Strom: 4 - 6 Steckdosen hinter dem Lowboard, 2 - 4 auf TV-Höhe für TV, Soundbar, Streaming, Hue Sync Box etc.
- Daten: 2x RJ45 Cat.6A, wenn möglich. Alternativ Koax für Kabel-TV plus 1x RJ45.
- Kabelführung: Leerrohr 25 mm vertikal zwischen Lowboard und TV. So bleiben Kabel unsichtbar.
- Schalter: Ein Schalter für indirektes Licht am Medienbereich ist praktisch, ggf. mit Dimmer.
Sofa- und Leseecke
- Bodensteckdose: 1 - 2-fach unter dem Sofatisch oder seitlich vom Sofa. Achten Sie auf IP44, wenn feucht gewischt wird.
- Wandsteckdosen: Links und rechts vom Sofa je 2-fach auf 30 cm Höhe für Leuchten und Ladegeräte.
- USB-C: Ein Einsatz mit 60 - 100 W ist praktisch zum Laden von Laptop oder Tablet ohne Netzteil.
Fenster, Vorhänge, Deko
- Fensterbank: 1 Doppelsteckdose pro Fensterachse für saisonale Beleuchtung.
- Gardinenbeleuchtung: Eine schaltbare Steckdose in der Vorhangnähe für Lichterketten oder LED-Profile.
Esstisch im Wohnbereich
- Pendelleuchte: Zentrum über Tisch, Höhe Unterkante 60 - 70 cm über Tischplatte, dimmbar. Wenn der Tisch variabel ist, Schienensystem oder verschiebbare Baldachine nutzen.
- Bodensteckdose: Bei Laptops am Esstisch sinnvoll, sonst eine geschützte Wandsteckdose in Tischnähe.
Beleuchtungsgruppen
- Deckenlicht, indirektes Licht, Akzentlicht getrennt schalt- und dimmbar ausführen.
- Mindestens 2 Schaltstellen für den Hauptlichtkreis: an Tür und am Sofa (Wechselschaltung oder smart).
Home Office: Strom, Daten und Ergonomie
Arbeitsplatz Strombedarf
- Mindestens 4 - 6 Steckdosen direkt am Tisch: Monitor, Docking, Ladegerät, Lampe, Drucker, Ladepads.
- Besser als Wanddosen: In-Desk-Lösungen mit Klappe oder runde Tischdurchführungen plus Untertisch-Steckdosenleiste fest verschraubt.
- USB-C 100 W im Tischmodul spart große Netzteile und reduziert Kabelsalat.
Daten und Netzwerk
- 2x RJ45 Cat.6A zum Schreibtisch sind ideal. So lassen sich VoIP-Telefon und Docking parallel betreiben.
- WLAN-Repeater oder Access Point mit PoE einplanen, wenn der Raum schlecht versorgt ist.
- Kabelwege: In Hohlwänden Leerrohre 25 mm vorsehen, in Mauerwerk tiefe Dosen, damit Netzwerkkabel nicht gequetscht wird.
Licht am Arbeitsplatz
- Kombination aus dimmbarer Deckenleuchte und asymmetrischer Schreibtischleuchte mit 500 - 1000 Lux auf der Arbeitsfläche.
- Blendungen vermeiden: Leuchten nicht direkt gegenüber dem Monitor positionieren, CRI 90+, neutralweiß 4000 K für fokussiertes Arbeiten.
Kabelmanagement alltagstauglich
- Untertisch-Kabelkorb und Klettbänder nutzen, Steckdosenleiste mit Hauptschalter befestigen.
- Vertikale Kabelkette vom Tisch zum Boden, bei höhenverstellbaren Tischen mit ausreichender Länge und Biegeradius.
Stromkreise und Absicherung: sicher und zukunftsfähig
Eine saubere Aufteilung schützt vor Überlast und erleichtert Erweiterungen.
- Wohnzimmer: 2 getrennte Stromkreise für Steckdosen sind sinnvoll. Medienwand separat, restliche Steckdosen auf dem zweiten Kreis. Beleuchtung auf eigenem Kreis.
- Home Office: Eigener Steckdosenkreis empfohlen, vor allem bei höhenverstellbarem Tisch, Drucker, Ladegeräten. Beleuchtung separat.
- Leitungsquerschnitt: 1,5 mm² für 16 A nur bei kurzen Wegen und geeigneter Verlegeart. Für lange Strecken oder gebündelte Leitungen 2,5 mm² einplanen.
- Schutz: 30 mA RCD für alle Steckdosenkreise Pflicht. In sensiblen Bereichen AFDD kann sinnvoll sein, ist aber nicht immer vorgeschrieben.
Beschriften Sie Stromkreise im Verteiler sauber. Für Smart-Installationen separate Kleinspannungsnetzteile und ausreichend Leerrohre vorsehen.
Smart-Optionen: pragmatisch statt Spielerei
Smart muss robust, wartbar und offline-tauglich sein. Wählen Sie das Niveau, das zu Ihrem Haushalt passt.
- Smarter Schalter statt smarte Lampe: Bleibt bedienbar, auch wenn das WLAN ausfällt. Kosten pro Einsatz meist 40 - 80 € plus Montage.
- Unterputz-Aktoren hinter bestehendem Schalter wahren die Optik des Schalterprogramms. Achten Sie auf tiefe Dosen.
- Steckdosenaktoren für Mediengeräte sparen Standby, schaltbar per Taste und App. Gute Modelle melden Leistung für Energie-Monitoring.
- Zentralfunktionen: Eine Szene für Filmabend dimmt Licht, schaltet Deko ein und schaltet Staubsauger-Dock aus, damit es ruhig bleibt.
- Offene Standards bevorzugen: Matter, Zigbee oder KNX für langfristige Stabilität und Herstellerfreiheit.
Nachrüst-Tricks ohne Wände aufstemmen
- Kabelkanal in Wandfarbe: Sauber geführt von Sockelzone zu Medienwand. Mit Segmenten für 90 Grad und T-Stücke entsteht eine ordentliche Optik.
- Hohlwanddosen in Trockenbau: Einfach zu setzen, tiefe Dosen für Smart-Module vorsehen.
- Bodensteckdose in Trockenestrich: Nur bei ausreichender Aufbauhöhe und klarer Lastzone. Schutzart beachten.
- Möbelrückwände nutzen: Lowboard mit Rückwanddurchlässen und Mehrfachsteckdosen fest verschrauben, Zuleitung gesteckt und entlastet.

Konkrete Budgetbeispiele
Bestandswohnzimmer 22 m2, leichte Nachrüstung
- 4 zusätzliche Steckdosen, 1 Daten-Dose, Kabelkanäle, 1 Bodensteckdose
- Material: 350 - 600 €
- Arbeitszeit: 6 - 10 Std. = 420 - 900 €
- Gesamt: 770 - 1.500 €
Home Office 12 m2, umfassend
- 2 Stromkreise neu, 2x RJ45, Tischmodule mit USB-C, Untertisch-Management
- Material: 500 - 900 €
- Arbeitszeit: 8 - 14 Std. = 560 - 1.260 €
- Gesamt: 1.060 - 2.160 €
Neubau-Planung, Mehrkosten für Komfort
- Zusätzliche Dosen, Datenleitungen, Leerrohre, smarte Aktoren
- Mehrkosten je Raum: 300 - 900 €, spart spätere Stemmarbeiten
Typische Fehler und wie Sie sie vermeiden
- Zu wenige Dosen an der Medienwand: Planen Sie doppelt so viele wie heute benötigt.
- Keine Leerrohre: Spätere Kabel sind dann sichtbar. Mindestens vertikale Verbindung Lowboard zu TV als Leerrohr vorsehen.
- Flache Dosen bei Smart-Planung: Immer tiefe Dosen für Aktoren und WAGO-Klemmen.
- Ein Stromkreis für alles: Trennen Sie Medien von Rest und Beleuchtung. So flackert nichts, wenn die Endstufe startet.
- WLAN-only Smart-Home: Funklöcher sind Alltag. Wo möglich kabelgebunden planen.
Schalterprogramme und Optik
Ein einheitliches Schalterprogramm wirkt aufgeräumt. Weiße, matte Rahmen sind zeitlos; Anthrazit oder Schwarz setzen Akzente in modernen Interieurs. Achten Sie auf Zubehör wie USB-Einsätze, Blindabdeckungen und Beschriftungsfelder. Bei empfindlichen Putzoberflächen profitieren Sie von größeren Abdeckrahmen.
Materialkunde kurz und knapp
- Leitungen: NYM-J 3×1,5 mm² für Licht und kurze Steckdosenstrecken, 3×2,5 mm² für längere Steckdosenläufe.
- Dosen: Tiefe Unterputz- und Hohlwanddosen, Klemmlaschen stabil, Brandschutz beachten.
- Verbinder: Federklemmen mit Prüflöchern, Größen passend zum Querschnitt.
- Daten: Cat.6A Duplex-Dosen, sternförmig zum Patchpanel, Patchkabel kurz halten.
Planung in 6 Schritten
- Möblierung festlegen: TV-Position, Sofa, Schreibtisch, Esstisch, Stehleuchtenplätze.
- Nutzungen definieren: Geräte je Zone auflisten, inklusive Reserve.
- Höhen und Abstände festlegen: Schalter 105 cm, Steckdosen 30 cm, Sonderhöhen am Schreibtisch.
- Stromkreise aufteilen: Medien, übrige Steckdosen, Licht, Home Office.
- Smart-Optionen wählen: Schalter, Aktoren, Mess-Steckdosen, Szenen.
- Leerrohre und Datenwege einplanen: Mindestens zwischen Lowboard und TV sowie zum Schreibtisch.
Podsumowanie
- Pro Zone denken: Medien, Sofa, Fenster, Esstisch, Schreibtisch.
- Genug Dosen: Wohnzimmer 14 - 18, Home Office 10 - 14 als Richtwert.
- Höhen merken: Schalter 105 cm, Steckdosen 30 cm, Tischlösungen direkt am Möbel.
- Stromkreise trennen: Medien, Rest, Licht, Home Office separat.
- Leerrohre legen: Sichtbare Kabel später vermeiden.
- Smart pragmatisch: Schalter und Steckdosen mit echter Alltagstauglichkeit.
- Budget realistisch: 700 - 2.000 € je Raum je nach Umfang.
FAQ
Wie viele Steckdosen brauche ich hinter dem TV wirklich?
Planen Sie 4 - 6 hinter dem Lowboard plus 2 - 4 auf TV-Höhe. Mit Reserve für Soundbar, Streaming, NAS, Lichtleiste und Ladegeräte wirkt der Bereich dauerhaft ordentlich.
Welche Höhe ist für Schalter und Steckdosen optimal?
Bewährt sind 105 cm für Schalter und 30 cm für Steckdosen. Am Schreibtisch lieber in die Platte oder 10 - 15 cm über Tischkante. Wichtiger als Zentimeter ist die Erreichbarkeit ohne Möbelkollision.
Reicht WLAN, oder brauche ich LAN im Home Office?
Für stabile Videokonferenzen und große Datenmengen ist LAN klar im Vorteil. Ideal sind 2x RJ45 Cat.6A am Arbeitsplatz. WLAN bleibt Ergänzung für Mobilgeräte.
Was kostet das Nachrüsten von 4 Steckdosen und einer Daten-Dose?
Je nach Wandaufbau und Leitungswegen 300 - 700 € inklusive Material und Arbeit. Mit Bodensteckdose oder Smart-Aktoren entsprechend mehr. Preise variieren regional und nach Aufwand.
