Kaminofen im Bestand nachrüsten: Auswahl, Schornstein, Genehmigung, Montage und echte Kosten

Kaminofen im Bestand nachrüsten: Auswahl, Schornstein, Genehmigung, Montage und echte Kosten

Warum ein Kaminofen im Bestand Sinn macht

Ein Kaminofen liefert schnelle, gemütliche Wärme und macht unabhängiger von Gas oder Fernwärme. In Bestandswohnungen und Einfamilienhäusern ist ein Nachrüsten oft möglich, wenn Schornstein, Stellplatz und Luftversorgung passen.

Wichtig ist eine saubere Planung mit dem Bezirksschornsteinfeger, die richtige Geräteleistung für die Raumgröße und Brandschutz im Griff. So bleibt die Luft sauber, der Betrieb sicher und die Kosten kalkulierbar.

Für typische Wohnzimmer von 20 bis 35 m2 sind 4 bis 7 kW Nennwärmeleistung sinnvoll. Stahlöfen heizen schnell, Speicheröfen halten länger warm. Raumluftunabhängige Modelle sind in dichten Gebäuden oder mit Abluft-Dunstabzug oft Pflicht.

  • Micro-BOM Einkaufsliste Nachrüstung Kaminofen, Beispiel 25 bis 35 m2 Raum:
    • Bodenplatte Glas 110 x 90 cm oder individuell, 90 bis 220 Euro
    • Wand- und Hitzeschutz Calciumsilikat 20 bis 30 mm, 2 bis 4 Platten, 80 bis 200 Euro
    • Rauchrohrset DN 150, 1 m Rohr + Bogen 90 Grad + Rosette, 120 bis 220 Euro
    • Wandfutter DN 150 und Ofendichtschnur, 25 bis 50 Euro
    • Feuerzement hochtemperaturbeständig, 10 bis 20 Euro
    • CO Melder nach EN 50291, 25 bis 60 Euro
    • Holzfeuchtemessgerät, 15 bis 30 Euro
    • Optional: Edelstahlkamineinsatz Sanierung DN 120 bis 150, 400 bis 900 Euro
Modernes Wohnzimmer mit freistehendem Kaminofen auf Glasbodenplatte, ausreichend Abstand zu Möbeln
Kaminofen richtig platziert: Bodenplatte, Abstände und Anschluss am Schornstein

Rechtliches und Planung: was in Deutschland zählt

Erster Schritt: Termin mit dem Bezirksschornsteinfeger

Vor Kauf und Montage unbedingt den Bezirksschornsteinfeger einbeziehen. Er prüft Schornsteinquerschnitt, Höhe, Zug, Abstand zu Dachfirst und brennbaren Bauteilen, Raumgröße und Luftversorgung. Ergebnis ist eine klare Aussage: passt der Bestandsschornstein, braucht es eine Sanierung oder einen Außenkamin.

BImSchV Stufe 2 und lokale Regeln

Nur Öfen mit BImSchV Stufe 2 wählen. Zertifikat und Typenschild beim Abnahmetermin bereithalten. Kommunale Luftreinhaltepläne können Betrieb in Smoglagen einschränken. In München, Stuttgart und einigen Gemeinden gelten zusätzliche Auflagen. Vorab beim Schornsteinfeger nachfragen.

Abluft-Dunstabzug und Dichtheit des Gebäudes

Bei Abluft-Dunstabzug in der Küche ist ein Unterdruckschutz Pflicht, z. B. Fensterkontaktschalter oder Luftdruckwächter. In sehr dichten Häusern nur raumluftunabhängige Öfen mit DIBt Zulassung einsetzen, ideal mit externer Verbrennungsluftleitung.

Miete und WEG

In Mietwohnungen ist die Zustimmung des Vermieters nötig. In Wohnungseigentümergemeinschaften entscheidet meist die Eigentümerversammlung über Kamin und Außenkamin. Brandschutzkonzept vorlegen, Schall- und Geruchsbelastung für Nachbarn berücksichtigen.

Gerätewahl: welcher Ofen passt zu Raum und Nutzung

Leistung passend zur Raumgröße

  • Bis 20 m2: etwa 3 bis 5 kW
  • 20 bis 35 m2: etwa 4 bis 7 kW
  • Über 35 m2 oder offene Grundrisse: 6 bis 9 kW

Zu viel Leistung führt zu Teillastbetrieb, verrußter Scheibe und höherem Feinstaub. Besser passgenau wählen und bei Bedarf öfter nachlegen.

Bauart und Speicher

  • Stahlöfen: schnelle Wärme, leicht, 600 bis 1800 Euro
  • Speckstein/Keramik: speichern Wärme, 1000 bis 3500 Euro
  • Speicherofen mit Aufsatzspeicher: träge, besonders gleichmäßig, 2000 bis 5000 Euro
  • Pelletkaminofen: automatische Zufuhr, braucht Strom, 1500 bis 4000 Euro

Raumluftunabhängig und externe Luftzufuhr

Bei modernen, dichten Gebäuden sinnvoll oder erforderlich. Achte auf DIBt Zulassung, passenden Luftstutzen und kurze Leitung zur Außenluft. Reduziert Unterdruckprobleme und verbessert Verbrennung.

Stellplatz, Abstände, Bodenplatte

Brandschutzabstände

  • Zu brennbaren Wänden laut Hersteller meist 20 bis 40 cm hinten, 20 bis 60 cm seitlich
  • Nach vorn freie Fläche ohne brennbare Materialien
  • Abschirmung für Möbel, Vorhänge und TV beachten

Bodenplatte

Vor der Ofentür ist eine nicht brennbare Bodenplatte Pflicht, z. B. Glas, Stahl, Naturstein. Mindestmaß in der Regel: 50 cm vor der Tür und 30 cm seitlich. Bei Eckaufstellung entsprechend anpassen. Bei empfindlichem Parkett Feuchte- und Kratzschutz beachten.

Wandschutz

Bei knappen Abständen hilft ein Wandschutz aus Calciumsilikat oder Stahlblech mit Luftspalt. Achte auf saubere Befestigung und Kanten. Alternativ Ofenstandort so wählen, dass Abstände ohne Schutz eingehalten werden.

Schornstein: prüfen, sanieren, nachrüsten

Bestandskamin nutzen

Viele Altbaukamine haben zu großen Querschnitt oder sind feuchteempfindlich. Lösung: Edelstahlrohr einziehen lassen. Vorteile: stabiler Zug, weniger Kondensat, einfach zu reinigen. Typische Kosten 400 bis 900 Euro Material plus Montage.

Außenkamin aus Edelstahl

Wenn kein nutzbarer Schornstein vorhanden ist, bietet sich ein doppelwandiger Edelstahlschornstein an, außen an der Fassade montiert. Montage mit Wandkonsolen, Durchführung und Dachabschluss. Kosten je nach Höhe 1500 bis 3500 Euro inkl. Montage.

Höhe und Mündung

Die Schornsteinmündung muss in der Regel Firstnähe erreichen und Abstände zu Dachaufbauten einhalten. Der Schornsteinfeger berechnet die nötige Höhe. Zu niedrige Mündungen führen zu Rauchbelästigung und schlechtem Zug.

Montage Schritt für Schritt

  • 1. Stellplatz markieren, Abstände prüfen, Bodenplatte ausrichten und unterlegschonend platzieren.
  • 2. Wandschutz montieren, falls Abstände knapp. Calciumsilikatplatten verdübeln, Fugen verspachteln, hitzefest streichen.
  • 3. Wandfutter setzen: Kernbohrung passend zum Rauchrohrdurchmesser, Brandschutz der Wand beachten. Wandfutter mit Feuerzement fixieren.
  • 4. Rauchrohr montieren: Trocken aufstecken, Ausrichtung prüfen, dann steckend und mit Klemmbändern sichern. Rohrneigungen gering halten.
  • 5. Außenkamin oder Edelstahleinsatz montieren lassen, falls erforderlich. Konsolen, Schellen und Revisionsstücke gemäß Systemmontageplan.
  • 6. Externe Zuluft anschließen, falls vorhanden. Kurz und luftdicht führen, Außenhaube mit Insektenschutz.
  • 7. CO Melder auf Kopfhöhe im Raum oder in 1 bis 3 m Ofennähe montieren.
  • 8. Abnahme durch den Bezirksschornsteinfeger. Feuerstättenbescheid aufbewahren.

Werkzeuge und Zeitbedarf

Bohrhammer mit Kernbohrer, Staubsauger, Wasserwaage, Handschuhe, Schutzbrille. Für einen einfachen Anschluss an bestehenden Kamin rechnest du als Heimwerker 4 bis 8 Stunden. Für Außenkamin oder Sanierung kommt der Fachbetrieb.

Inbetriebnahme, Betrieb und Sicherheit

Erstes Anheizen

Langsam einbrennen. Kleine Holzmenge, Türspalt nur kurz für Anheizphase. Lackgeruch ist normal, gut lüften. Dichtungen prüfen, Scheitgröße gemäß Hersteller.

Brennstoff

  • Nur naturbelassenes, trockenes Holz unter 20 Prozent Restfeuchte
  • Hartholz wie Buche oder Eiche für anhaltende Glut
  • Keine behandeltes Holz, Spanplatten oder Müll

Sicherheit im Alltag

  • Funkenflug vermeiden, Funkenschutz beachten
  • Asche metallisch entsorgen, vollständig erkaltet
  • Küchenabluft nur mit Unterdrucksicherung betreiben
  • Rauchmelder und CO Melder regelmäßig testen

Zeitplan, Wartung und Betriebskosten

Von Ersttermin bis Abnahme dauert es in der Praxis 2 bis 6 Wochen, abhängig von Verfügbarkeit des Ofens und Montagekapazitäten für Schornsteinarbeiten.

  • Kehr- und Messpflicht: meist 1 bis 2 mal pro Jahr, 40 bis 120 Euro pro Termin
  • Dichtungen, Schamotte und Glas alle 3 bis 8 Jahre prüfen und tauschen, 30 bis 200 Euro
  • Holzpreise 2025: 80 bis 140 Euro pro Raummeter, regional unterschiedlich
Monteur richtet ein doppelwandiges Edelstahl-Rauchrohr an einer Wanddurchführung aus
Sicherer Anschluss mit passendem Rauchrohr und Wandfutter

Kosten im Überblick mit Beispielen

Einzelpreise typisch

  • Kaminofen BImSchV Stufe 2: 800 bis 3500 Euro
  • Bodenplatte: 90 bis 400 Euro
  • Rauchrohr und Anschlussmaterial: 120 bis 350 Euro
  • Edelstahlkamineinsatz: 400 bis 900 Euro Material, Montage 300 bis 700 Euro
  • Außenkamin Edelstahl: 1500 bis 3500 Euro inkl. Montage
  • Montage Ofen und Anschluss: 300 bis 900 Euro
  • Abnahme Schornsteinfeger: 60 bis 150 Euro

Budgetbeispiele

  • Kleiner Stahlofen an vorhandenem Kamin: 800 + 200 Rohr + 150 Platte + 150 Abnahme und Kleinteile = ca. 1300 Euro
  • Specksteinofen mit Kamineinsatz: 1800 + 600 Einsatz + 500 Montage + 150 Abnahme = ca. 3050 Euro
  • Außenkamin plus Ofen: 1400 Ofen + 250 Rohr + 220 Platte + 2600 Außenkamin + 150 Abnahme = ca. 4620 Euro

Förderungen

Für klassische Scheitholz-Kaminöfen gibt es derzeit in der Regel keine staatliche Förderung. Pelletkaminöfen können im Rahmen einzelner Programme gefördert werden, prüfen lohnt sich lokal. Kommunale Zuschüsse sind selten, aber möglich.

Typische Fehler vermeiden

  • Überdimensionierte Leistung wählen und ständig drosseln
  • Feuchte Holzscheite verbrennen
  • Abstände und Funkenschutz unterschätzen
  • Dunstabzug ohne Unterdrucksicherung betreiben
  • Schornsteinfeger zu spät einbinden

Checkliste für die Auswahl

  • Raumgröße und Dämmstandard bekannt
  • Schornstein geprüft und Lösung festgelegt
  • BImSchV Stufe 2 und DIBt bei Bedarf
  • Abstände, Bodenplatte, Wandschutz geplant
  • Abluft in der Küche abgesichert
  • CO Melder vorgesehen
  • Abnahme fix terminiert

Podsumowanie

  • Bezirksschornsteinfeger zuerst einbinden und Machbarkeit klären
  • Ofenleistung passgenau wählen, BImSchV Stufe 2 beachten
  • Stellplatz mit Bodenplatte und Abständen brandsicher ausführen
  • Schornstein sanieren oder Außenkamin einplanen
  • Unterdrucksicherung bei Abluft und CO Melder installieren
  • Realistisches Budget 1300 bis 5000 Euro je nach Aufwand

FAQ

Brauche ich immer einen raumluftunabhängigen Kaminofen?

Nein. Er ist jedoch in dichten Gebäuden und bei Abluft-Dunstabzug die sichere Wahl. Der Schornsteinfeger entscheidet anhand Gebäudezustand und Luftbilanz.

Kann ich den Ofen selbst anschließen?

Den Anschluss darfst du vorbereiten. Die Abnahme durch den Bezirksschornsteinfeger ist Pflicht. Für Außenkamine oder Schornsteinsanierung empfiehlt sich ein Fachbetrieb.

Wie groß muss die Bodenplatte sein?

In der Regel 50 cm vor der Tür und 30 cm seitlich. Herstellerangaben und Landesbauordnung beachten. Bei großen Türen entsprechend größer planen.

Wie vermeide ich verrußte Scheiben?

Trockenes Holz unter 20 Prozent Restfeuchte, richtige Scheitgröße, ausreichend Luft, Ofen nicht dauerhaft im Teillastbetrieb fahren und Zug prüfen lassen.